Sonntag, 15. November 2015

Wir Fashionblogger verschließen nur stur die Augen vor dieser Grausamkeit

Wir Fashionblogger leben in unserer eigenen kleinen rosa Seifenblase, bestehend aus den hippsten Klamotten, einem Pumkin Spice Latte in der einen und dem Handy für das perfekte Selfie in der anderen Hand. Ja, unser Leben ist so wunderbar und die alltäglichen Sorgen kennen wir natürlich nicht. So verschließen wir wie selbstverständlich die Augen vor dem, was am vergangenen Freitag passiert ist, denn das hat in unserer heilen Welt einfach keinen Platz, denn schließlich bloggen wir nichts darüber. Und worüber wir nicht bloggen, das kennen wir einfach nicht.
Bislang war der Blog meine neutrale Zone. Ich fordere niemanden dazu auf eine bestimmte Partei zu wählen. Ich habe mich bislang auch nicht zu der Flüchtlingsdebatte geäußert und auch sonst greife ich das Thema Politik oder all die grausamen Taten, die auf der gesamten Welt täglich passieren, hier nicht auf. Viele werden sich fragen wieso? Verschließt sie ihren Blick davor und tut so, als sei es nicht für sie präsent? Will sie ganz einfach nichts davon wissen und ist nur naiv? Nein! Ganz so leicht lässt sich das nämlich nicht über einen Kamm scheren. Mein Blog ist meine Auszeit von meinem restlichen Leben. Mein kleiner Rückzugsort. In gewisser Weise ist er schon meine kleine Seifenblase, in der es sich nur um Themen dreht, die ich bestimme. Die Grausamkeit verfolgt einen schon genug und in der letzten Zeit gefühlt noch häufiger. Aber sehen wir das Ganze doch mal realistisch. Das hier ist ein Fashionblog. Und hier sagt es der Name ja tatsächlich schon. Ich bin kein Politiker und auch sonst kein Experte, bei dem man sich über die aktuelle Situation informieren kann. Dafür sollte man sich am besten an die Nachrichten wenden oder auch direkt an Zeugen persönlich. Aber weil mich seit Freitagabend so einiges bewegt, werde auch ich meine Meinung nun kund tun und die ist rein subjektiv! Damit es eben nicht mehr heißt: Wir Fashionblogger verschließen nur stur die Augen vor dieser Grausamkeit.

Ich war am späten Freitagabend, einige Stunden bevor die Berichte über das Ausmaß in Frankreich ihren Lauf nahmen, auf meiner ersten Demonstration. Wir wollten Farbe bekennen. Für Vielfalt und Toleranz in unserer studentischen Stadt eintreten und zeigen, dass wir die Flüchtlinge willkommen heißen und rechte Gedanken bei uns keinen Platz haben. Keine 24 Stunden später sitze ich vor dem Fernseher und verfolge eine Diskussion darüber, ob nicht die Flüchtlinge schuld an dem Terrorismus in Frankreich haben und ihn auch in unser Land bringen. In solch schweren Stunden suchen die Menschen gerne einen Schuldigen. Jemand, dem man den schwarzen Peter ganz einfach in die Hand geben kann. Und da kommt es vielen ganz Recht, dass man salopp gesagt einfach den Ausländern in Europa, die ja derselben Religion angehören wie die Terroristen, eben die Schuld zuschiebt. Das schwächste Glied in der Kette. Hat denn von den Schuldzuweisern auch nur ein einziges Mal darüber nachgedacht, dass gerade diese Menschen ebenfalls versuchen vor diesen Radikalen zu fliehen? Dass sie Teil des Auslösers für die Flucht sind und nicht Teil der Lösung? Terrorismus kennt keine Religion – schert diese Fanatiker nicht mit all den friedlichen Gläubigen über einen Kamm oder steckt sie in dieselbe Schublade. Die Attentate in Frankreich waren nicht das Zeichen einer gesamten Religion. In diesen schweren Stunden sollten wir alle zusammenhalten und nicht einfach mit dem Finger auf andere zeigen ….

An dieser Stelle lasse ich euch das Wort. Ihr könnt mir eure Gedanken zu diesem Thema gerne dalassen. Ich möchte jedoch auch gleich sagen, dass ich nicht über meine Meinung diskutieren werde. Schwarze Schafe gibt es immer, jedoch sollte man die nicht auf den Rest beziehen.

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2 Kommentare

  1. Was passiert ist, ist so furchtbar. Unglaublich. Was jetzt danach passiert leider auch.

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  2. Ich finde deinen Artikel ganz wunderbar und wirklich sehr reflektiert. Ich finde es absurd und ungerecht Flüchtlinge und Menschen des Terrors über einen Kamm zu scheren, denn wenn wir uns bewusst sinn, dass selbst deutsche Teil dieser, ich würde sie mal als "Sekte" bezeichnen, sind. Als ich 8 oder 9 war, habe ich mich ohne Grund unter meine Bettdecke verkrochen, mit einem merkwürdigem Gefühl und geweint und meiner Mama gesagt ich möchte noch nicht sterben, ich sei noch so jung, wild die Welt sehen und das schöne Leben leben. Und ich habe sie tatsächlich gefragt, ob die Bösen Menschen ihr Leben nicht lieben oder ob sie so traurig sind und denken es sei richtig was sie tun, weil sie so traurig sind und keine anderen Wege kennen. Am 11.9 und auch besagten Freitag hat mich genau jenes Gefühl wieder ergriffen.

    Am allertraurigsten finde ich jedoch, dass niemand anscheinend von den vorherigen Kriegen gelernt hat, denn egal wo auf der Welt Terror und Angst herrscht. Religionskriege und Machtkriege sollten in unserer Zeit sowas von überholt sein. Und dann meldet sich manchmal trotzdem meine innere Olivia Pope, die sich fragt ob diese Aktionen nicht einfach eingefädelte Aktionen von Großen Mächten sind um irgendein Ziel zu erreichen.

    Bisous aus Berlin, deine Patricia
    THEVOGUEVOYAGE

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