Dienstag, 18. März 2014

Drei Wochen auf der anderen Seite

"Die andere Seite" - so hat man es während meinem Praktikum genannt. Ganz so, als sei man als Lehrer das Böse. Für manche Schüler mag das wohl auch stimmen, hoffe ich doch, dass das auf mich nicht zutrifft. Als Lehrer hat man mit einem schlechten Image zu kämpfen. Das fängt bei der allgemeinen Beliebtheit an und hört bei den Arbeitszeiten auf. Schon als Studentin darf man sich von allen möglichen Leute Sprüche wie "Als Lehrer hat man morgens Recht und nachmittags frei" oder "Dein Job besteht ja nur aus Ferien" anhören. Auf Dauer ist das ganz schön nervig. Ich habe in den drei Wochen Praktikum knapp fünf Unterrichtsstunden von vorne bis hinten eigenständig geplant. Das mag sich ja erst mal nicht viel anhören, aber alle angehenden Lehrer wissen, was da gerade zu Beginn für eine Arbeit dahinter steckt. Arbeitsblätter erstellen sich nicht von alleine. Versuche in Biologie müssen vorher erst von einem selbst getestet werden, damit sie in der Stunde auch definitiv klappen. Manches muss erst nochmal nachgelesen oder nachgeschlagen werden, bevor man es richtig in der Schule vermitteln kann. Das alles braucht eben seine Zeit. Auch ich habe das schon unterschätzt und mich am Ende des Tages gewundert, wie lange ich letztendlich an einer einzigen Unterrichtsstunde gesessen habe.
 

Fazit mein Praktikum (1)
Meine drei Wochen Praktikum sind wie im Flug vergangen. Gerne hätte ich noch mehr Zeit gehabt, um mehr noch mehr ausprobieren und mich austesten zu können. Dennoch blicke ich voller Stolz auf diese Wochen zurück, denn ich weiß, was ich alles geschafft habe. Zum einen fühle ich mich in der Schule angekommen. Beim letzten Mal war ich für die selbe Zeit an einer Grundschule und ich habe einfach gemerkt, dass es nicht gepasst hat (den Bericht dazu findet ihr hier). Dieses Mal war es anders. Gerade der Wechsel zwischen dem Unterricht in den unteren Stufen und dem in der Oberstufe ist es, was mich reizt und mir besonders gut gefällt. Ich bin mir jetzt definitiv sicher, dass ich ab dem 5. Semester Gymnasiales Lehramt als Schwerpunkt wählen werde.

Was mir aufgefallen ist, ist, dass besonders junge Lehrer anders mit mir als Praktikantin umgegangen sind. Mir wurde direkt das Du angeboten und ich wurde mehr auf Augenhöhe behandelt. Das ist nicht gerade selbstverständlich, neigen doch gerade ältere Lehrer dazu, den "Jungspund" noch nicht als Kollegen anzusehen. Es gab eine Lehrerin, die mir besonders geholfen und mich in ihrer freien Zeit unterstützt hat, wo sie nur konnte (auch hier gilt wieder, dass das nicht selbstverständlich ist). Ich durfte bei ihr diverse Methoden ausprobieren. Als aus meiner Unterrichtsplanung vor lauter Ideen gleich eine Doppelstunde geworden ist, war das für sie kein Problem und ich durfte die volle Zeit übernehmen. Das Feedback das ich bekommen habe, war sehr detailliert und vor allem hilfreich. Intuitiv habe ich vieles richtig gemacht, woran ich vorher gar nicht so bewusst gedacht habe. Mir wurde außerdem gesagt, dass ich eine Ruhe ausstrahle, die sich positiv auf die Schüler und meinen Unterricht auswirkt. Das hat mich doch schon sehr erstaunt, war ich ziemlich nervös. Aber es ist gut zu wissen, dass man das nicht bemerkt hat.
Da mich in den letzten Wochen einige Fragen zu meiner Zeit an der Schule erreicht hat, habe ich mal ein paar Fragen gesammelt und eine FAQ Liste daraus gemacht.

Fazit mein Praktikum (3)
1. Was sagen die Schüler über deinen Blog? Redest du darüber?
Bislang hat mich noch niemand in der Schule auf meinen Blog angesprochen. Es ist ja nicht so, dass ich ständig durch die Gegend laufe und kein anders Thema hätte. Das gilt also allgemein: Wenn mich niemand direkt darauf anspricht, kommt es auch in der Regel nicht zur Sprache. Bislang kenne ich auch niemanden in meinem Umkreis, der ebenfalls bloggt. Ob den Schülern das hier gefalllen würde oder nicht, kann ich noch nicht einschätzen. In den Anfangsphasen meines Bloggs, hätte mich das vielleicht etwas verunsichert. Mittlerweile nicht mehr.

2. Willst du nach dem Studium weiter bloggen oder lässt sich das als Lehrer nicht vereinbaren?
Das weiß ich ehrlich gesagt noch gar nicht so genau. Im Sommer beginnt aber auch erst das 4. von insgesamt 10. Semestern (wenn man es denn in der Regelstudienzeit schafft), also ist bis dahin noch jede Menge Zeit. Solange ich Spaß habe, blogge ich erst mal munter weiter. Ich bin mir nicht mal sicher, ob es dann nicht eher eine Zeitfrage sein wird, falls ich nach dem Studium aufhören sollte.

3. Gab es für deine Kleiderwahl in der Schule Kritik?
Nein, bisher nicht. Da ich auf einem Mädchengymnasium war, haben die natürlich vermehrt auf Kleidung geguckt. Insbesondere für meine Ketten gab es einige Komplimente von den Schülerinnen. Aber ich habe auch bei anderen Lehrerinnen mitbekommen, dass  sie im Unterricht zum Beispiel auf ihre Schuhe angesprochen wurden. Schüler sagen einem dann auch ganz offen, dass es ihnen gefällt. Gegenteiliges habe ich noch nicht zu hören bekommen.

Fazit mein Praktikum (4)
1. Pulli Zara//Bluse Primark//Jeans H&M, 2. Blazer&Top H&M//Jeans Review, 3. Jeans H&M//Bluse Orsay
Fazit mein Praktikum (5)
4. Hemd&Hose H&M//Top Zara, 5. Bluse H&M//Jeans Only, 6. Jeans Review//Top&Blazer H&M
4. Wie kleidest du dich im Praktikum? So wie auf dem Blog oder eher zurückhaltender?
Bei der Frage habe ich selbst erst mal überlegen müssen, ob mein Stil sehr auffallend ist. Eigentlich sind doch die aller meisten Outftis, die ich euch hier zeige, ganz normale Alltagslooks. Also ja, ich trage die meisten Sachen auch so in der Schule. Die hohen Schuhe tausche ich allerdings gegen Flache und auch die Clutch weicht einer praktischen Tasche (die hier). Auch achte ich darauf, dass ich nicht ohne Strumpfhose und dem kürzesten Minirock in die Schule gehe. Meinen Look "Willkommen Beinfreiheit" würde ich so also zum Praktikum nicht anziehen. In der ersten Woche habe ich noch etwas genauer auf meine Outfits geschaut. Kleidung ist maßgeblich am ersten Eindruck beteiligt und da ich nicht als Modepüppchen abgestempelt werden will, greife ich dann lieber zu hübschen Blusen. Das wirkt seriöser ;)

5. Passen Mode und dein Beruf als Lehrerin überhaupt zusammen?
Ja natürlich, wieso denn auch nicht? Ich bin ja noch jung, wieso sollte ich mich da als angehende Lehrerin nicht trotzdem modisch kleiden? Lehrer sehen ja nicht alle wie Fräulein Rottenmeier aus. Durch meine Kleidung laufe ich nur noch Gefahr, als Oberstufenschülerin gehalten zu werden. Bin ja mit meinen 21 noch nicht so viel älter. Zumal jüngere Schülerinnen generell auch älter aussehen, als sie sind. Noch stört mich das nicht. Ich sehe es eher als Kompliment, nicht wie der typische Lehrer zu wirken.

Fazit mein Praktikum (2)
Ich hoffe euch hat mein kleiner Bericht zu meinen drei Wochen auf "der anderen Seite" gefallen. Ist jetzt doch etwas länger geworden, als gedacht. Ich habe mal versucht, ein paar Outfits zu fotografieren. Natürlich nicht jedes, das wäre zu viel gewesen. Bei dem letzten Bild müsst ihr euch jetzt noch die Peeptoes und die kleine Tasche wegdenken. Ansonsten kommt das auch so hin.
Interessieren euch so persönliche Posts auch, oder fandet ihr das schon zu viel?

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18 Kommentare

  1. Hallo Jana,

    ich fand den Bericht sehr interessant :) Ich finde auch, du solltest dich so kleiden, wie du willst. Denn das passt und gehört eben mal zu dir. Wir hatten damals in der Realschule auch eine Lehrerin die sich angezogen hat, wies ihr gefiel und das hat uns reichlich wenig gestört. Wir fanden das eher toll und cool :)

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  2. Ich fands richtig interessant und lese so etwas sehr gerne, kannst du ruhig öfter schreiben ;)

    Lg melanie

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  3. interessant, das alles mal zu lesen! zu beginn hatte ich auch vor, lehramt zu studieren, letztendlich habe ich mir dann aber doch was anderes ausgesucht, ich glaube das wäre mir auf die dauer nämlich zu anstrengend mit den kids.. also allen respekt und schön, dass dein praktikum gut lief :)

    http://gregoryxgregory.blogspot.de

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  4. Ein sehr spannender Post! Ich bin ja immer so schrecklich neugierig und es ist schön so mehr zu erfahren! Das erste Bild ist traumhaft schön und das Oberteil wundervoll! <3

    Liebste Grüße aus Nürnberg
    Anja

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  5. Freut mich für dich, dass du nun besser weisst wo du genau mal hinmöchtest. Die Oberstufe zu unterrichten stelle ich mir selbst total schwer vor, weil man ja über so komplexe Themen bescheid wissen muss xD Grundschule stelle ich mir da leichter vor :) Ich wäre froh gewesen, wenn wir früher so modische und junge Lehrer gehabt hätten. Bei uns waren alle mehr im Fräulein Rottenmeier Stil

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  6. Finde den Post sehr interessant!
    Super schöne Looks übrigens! :)

    Liebste Grüße,
    Tania
    http://www.amovivorido.blogspot.de/

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  7. Toller Post, ich denke mit deinem Kleidungsstil kannst du in deinem zukünftigen Job nichts falsch machen! :)

    Viele Grüße,
    Verena von whoismocca.com
    Bloglovin' // Facebook // MyStyleHit

    PS: Hier kannst du ein Moschino iPhone 5s Case gewinnen, ich freu mich auf deine Teilnahme! :)

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  8. Hallo Irina,

    ich studiere auch Lehramt und kann dich daher sehr gut verstehen. Ich finde es gut, dass du nicht für die Schule deinen Style veränderst. Er gehört zu deiner Persönlichkeit und nur wenn du, du selbst bist, kannst du authentisch bei den Schülern rüber kommen.

    Ich habe es auch schon oft erlebt, dass so dumme Sprüche von anderen Leuten kommen, wie du es oben beschrieben hast. Du hast wirklich Recht. Der Beruf beziehungsweise die Arbeit die dahinter steckt, wird wirklich unterschätzt. Aber er macht eben auch Spaß. :)

    Viel Spaß weiterhin! Liebe Grüße

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  9. Der Bericht ist super geworden und gibt einem ein wenig den Einblick ins Berufsleben als Lehrer. Meine Freundin ist auch Gymnasiallehrerin und ich weiß was man da an Zeit rein stecken muss. Also Hut ab für die Leistung die ein Lehrer aufbringen muss (nicht nur seiner Nerven wegen;)). So und nun zu deinen Outfits. Ich mag deine Outfits total gerne. Sie sind frisch , elegant und dennoch hipp. Und vor allem du siehst wunderschön aus <3.
    Ich hoffe ich kann dich auch irgendwann mal kennen lernen.
    Bis dahin LG Katharina

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  10. Richtig toller Post! Bitte erzähl öfter von deinem Studium/Beruf, da ich selber nächstes Jahr aus Lehramt studieren werde und mich das Thema brennend interessiert :)
    Liebe Grüße

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  11. tolle outfits hast du da zusammen gestellt :) ♥

    Lieben Gruß
    sanzibell.com by Sarah Annabell

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  12. Ein sehr toller Post, vor allem das Thema "Mode und Lehramt" war super :) Und schön, dass dir dein Praktikum so gut gefallen hat und du nun deine Richtung kennst :)

    Liebst, ina

    Visit me at Petite Saigon

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  13. Der Bericht ist super und ganz toll geschrieben! Ich denke, dass dein zukünftiger Job und dein Blog sich gut vereinbaren lassen. Immerhin kann auch die Lehrerin ein modisches Vorbild sein. Warum auch nicht.

    Liebe Grüße
    Saskia
    MyStyleRoom

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  14. Ach toll, was du machst!!! :) Respekt für so ein Praktikum! Und natürlich für das, was du in Zukunft machen wirst! :) Ich finde deine Antworten gut und vor allem ehrlich!
    Toll siehst du aus!
    lg aus München
    Irina

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  15. echt super interessant der post!
    auf einem mädchengymnasium zu sein ist auch bestimmt noch etwas ganz anderes wie auf einer gemischten schule! auch schön, dass du deinen stil weiter so ausleben darfst :)
    <3

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  16. Toller Bericht.

    Und ich finde auch, dass Mode und Schule (der Beruf des Lehrers) gut zusammenpassen, schließlich steht man ja schon ein Stück weit in der "Öffentlichkeit"....und einem gut gekleideten Lehrer/Lehrerin schenkt man sicherlich mehr Aufmerksamkeit.

    Wünsch Dir viel Erfolg für Dein weiteres Studium.

    Viele Grüße aus Thüringen

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